Fashion Police

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Einverstanden. Daher mache ich heute einen kleinen Exkurs zu den modischen Fehltritten und textilen Desastern, die mein Stylisten-Auge beleidigen und mich auf Schritt und Tritt verfolgen. Die Formation professionelle. Ich kann sie nicht abschütteln, genauso wenig wie modisches Unkraut und gewobene Umweltkatastrophen, welche sich virenartig verbreiten und mit unglaublicher Hartnäckigkeit halten, nicht auszurotten sind.

Meine kleine und unnachgiebige innere Modepolizistin rückt unermüdlich aus. Bei folgenden Fauxpas zückt sie den Knüppel und macht das Einsatzfahrzeug parat. Mit Blaulicht und Sirene:

KATASTROPHEN TEXTILER NATUR, UNISEX

Hochwasserhosen. Es wäre doch so einfach. Sie: Die Hose endet ein Mü über dem Boden, das heisst, ein paar Millimeter über dem Boden. Nicht 2, 3 oder gar 10 cm drüber. Wer hohe Absätze trägt, lässt die Hosenlänge entsprechend anpassen oder wählt einen flachen Schuh. Er: Bei einer Anzughose endet der Saum etwa dort, wo der Schuhabsatz anfängt. Also ein bisschen weiter oben. Das Hosenbein macht dann vorne auf dem Schuh einen Knick. Ausnahme dieser Regel sind knöchelenge Hosen, Röhren, Zigarettenhosen etc. Also alle Hosen, die kürzer und enger geschnitten sind.

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Aua! Bitte nicht.

Dreiviertelhosen. Der textile Super-GAU und ein Fall für die modische Ausnüchterungszelle. Entweder trägt man lange Hosen oder kurze Hosen. Hosen, die in der Wadenmitte aufhören, sind geschmacklos und unvorteilhaft. Sie betonen die Wade am breitesten Punkt und verkürzen das Bein optisch. Meist aus einem fiesen Kunstfasermix und im schlimmsten Fall noch mit einem Tunnelzug und diversen Zippern versehen. Als Alternative zur „Wohlfühlhose“ in Dreiviertellänge können schlanke und zierliche Frauen beispielsweise Caprihosen tragen. Das ist eine dreivertellange, eng anliegende, am Saum geschlitze Damenhose. Man stelle sich das Jahr 1950, eine Vespa und ein Kopftuch vor.

Camel Toe. Der Schritt kneift, zwickt und schneidet sichtbar in die Weichteile ein. Vorne sieht es nach Kamelfuss aus und hinten werden die Pobacken rigoros in zwei Lager gespalten. Die Hose ist im Schritt zu kurz, oder wie es Guido Maria Kretschmer bei Shopping Queen ausdrückt: „Arsch frisst Hose“. Also die Hose zu klein oder der Schritt zu kurz.

Quetschalarm. Zu eng, zu klein. Die bösen „Zu“ der Modewelt. Wenn die Brüste die Knöpfe zu sprengen drohen oder der Bauch über dem Gürtel nach 9 Monate Schwangerschaft kurz vor der Niederkunft aussieht, ist es Zeit die Grösse zu wechseln (oder Mitglied in einem Fitnessclub zu werden). Zu enge Kleider machen nicht schlanker, sondern unnötig dicker. Viel Elasthan schützt vor Torheit und der falschen Grösse nicht.

Weisse Schuhe und Stiefel. Sind schlicht eine Zumutung und wirken billig. Sehr billig. Im schlimmsten Fall noch aus Kunstleder und mit Schnallen und anderem Schnickschnack versehen. Das Auge scannt Farben nach Helligkeit. Nicht umsonst tragen wir helle Farben generell eher oben zum Gesicht hin als unten. Man schaut also zwangsläufig immer zu den hellen Tretern runter. Weisse Schuhe gehören in die Textilsammlung und nicht auf die Strasse. Weisse Turnschuhe und Brautschuhe ausgenommen.

Leggings. Hübsch bei Mädchen unter 12. Weniger vorteilhaft an Männern im Gym oder in der Yogastunde. Bitte Männer, tut uns das nicht an. Gebt es zu: Ihr müsst doch selbst etwas lachen, wenn ihr euch damit im Spiegel betrachtet? Frauen hingegen dürfen Leggings getrost fürs Yoga, auf dem Sofa und im Bett tragen. Die textile Haltbarkeit von Leggings ist jedoch seit geraumer Zeit überschritten, auch wenn Viele das nicht wahrhaben wollen. Ein absolutes No Go sind Leggings mit kurzen Oberteilen getragen. Ist etwa so, als würde man nur mit einer Strumpfhose bekleidet nach Draussen gehen. Wer auf die gestrickten Leggings nicht verzichten kann, zieht wenigstens ein langes Oberteil an, das den Po bedeckt. Eine gängige und passende Alternative zu Jersey-Leggings sind sogenannte Treggings oder Jeggings. Das sind gewebte Röhren mit hohem Stretchanteil und ohne Knopfleiste/Knopf. Ich habe Halleluja geschrien, als die ersten Modelle im Handel waren.

Aufgestellte Kragen. Bei hochgeschlagenen Kragen gerate ich immer in Versuchung die bei wildfremden Menschen auf der Stelle herunterzuklappen und zu fragen: „Was haben Sie sich nur dabei gedacht?“ Egal ob Poloshirtkragen oder Mantelkragen. Der Kragen bleibt schön unten. Verstanden? Sonst zücke ich schon mal die Handschellen.

To be continued.

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Less Fashion Police.

4 Gedanken zu “Fashion Police

  1. Gibt es tatsächlich noch Leute mit Hochwasserhosen!?
    Aber es gibt immer noch Frauen mit Leggings und leider tragen es meistens die, die es nicht tragen sollten uuuaaaghhh! Warum macht ihr das?
    Weisse Schuhe oder Stiefel geht gar nicht, die dürften gar nicht verkauft werden…..
    Und noch etwas für alle Sport- und Fitnessfreaks; Polyester mag ja sehr praktisch sein, aber bitte nicht im Fitnessstudio tragen. Die T-Shirts stinken spätestens 5′ nachdem ihr sie anhabt und wenn ihr nicht ohne könnt, dann benützt wenigstens Hygienespüler beim waschen.
    Für eine schönere Welt, go on Filomena

    1. Danke für deinen Input, Mare. Kein Wunder haut einem der Duftmix aus Schweiss, Hormonen und Polyestermief fast aus den Schuhen, wenn man ein Fitnessstudio betritt. Polyester sollte generell verboten werden bei Oberteilen. Leider sind die Hochwasserhosen einfach nicht auszurotten. Erstaunlicherweise oft anzutreffen bei Businessoutfits, wo meist alles stimmt von der (teuren) Handtasche bis zu den Schuhen, wäre da nicht der Stilettoabsatz, der den Hosensaum gefühlte 10 cm über dem Boden schweben lässt. Alles was über 1 cm Hochwasser liegt, gehört in den roten Bereich = durchgefallen im Stiltest.

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