Das Cougar-Phänomen

Ich finde die Tatsache, dass ich offensichtlich im Cougar-Alter angekommen bin, irgendwie merkwürdig und ich könnte mich auf dem Boden rollen vor Lachen, dass ich zum lebendigen Beweis eines Klischees geworden bin. Ich verkörpere nun eine, na ja, eine reifere Frau, die jüngere Männer wie Motten im Licht anzuziehen scheint. Und ich bin nicht allein damit. Der Cougar ist gemäss Wikipedia die englische Slang-Bezeichnung für ältere Frauen, die einen wesentlich jüngeren Mann entweder für eine Beziehung oder als Sexualpartner suchen. Im normalen Sprachgebrauch bedeutet der Begriff Puma. Die Parallele liegt zum einen im silbrigen Fell des Pumas (Silberlöwe), analog zur Haarfarbe einiger älterer Frauen, und zum anderen in der Eigenschaft der Jagd (bei Frauen auf jüngere Männer, beim Puma auf Beute). Das männliche Exemplar derselben Gattung ist bekannt unter dem Begriff Sugar Daddy. Schönheit und Jugend im Austausch von Geld und Macht. Diese Symbiose ist so alt wie die Menschheit. Die Sugar Mama hingegen ist deutlich seltener anzutreffen. Ihr Vorteil in dieser Hinsicht ist, dass sie keinen Penis hat.

Die Puma-Frau, Kürzel PF, ist also die Frau mit einer Mission. Sie steht mit gewetzten Krallen inmitten des Geschehens und ihr fiebriger Blick lässt keine Zweifel daran, dass sie auf der Suche nach junger Beute ist und ihre Sprunggelenke noch geschmeidig genug sind, um in Sekundenschnelle mit geleckten Lippen zum Sprung anzusetzen. Sie ist selbstbewusst, finanziell unabhängig und sich ihrer sexuellen Ausstrahlung bewusst. Der Sugar Daddy (SD) ist gesellschaftlich akzeptiert, weil er damit seinen finanziellen Status unterstreicht und es in seiner Natur liegt, seine Spermien global zu streuen. Über die PF macht man sich indessen hinter hervorgehaltener Hand etwas lustig, aber das ist dieser sexuell emanzipierten Frau reichlich egal. Ihre Hände streicheln nämlich auch lieber über ein Sixpack als einen gleichaltrigen, faltigen Bierbauch.

Im Gegensatz zur bekennenden PF stehen wir Frauen mit Puma-Potenzial, FmPP, eher ausserhalb des Zentrums, zum Beispiel am Rande der Tanzfläche und wir laufen ausschliesslich aufgrund unseres Alters Gefahr mit einer PF verwechselt zu werden. Wir sind Ende 30, Anfang 40 oder auch älter und wir jagen nicht, sondern stehen einfach irgendwo rum. Versuchen nett auszusehen und uns zu amüsieren. Und nun zum eigentlichen Phänomen: Die Geschichte mit den FmPP läuft nämlich genau andersrum ab. Diese Frauen werden von deutlich jüngeren Männern gejagt. Der charmante Youngster mimt gekonnt den Überraschten, wenn er unser Alter erfährt (im besten Fall hat er tatsächlich geglaubt, dass wir 10 Jahre jünger sind) oder der offensive Typ gibt freimütig zu, dass er auf ältere Frauen steht. Und wir wissen dieses Interesse richtig zu interpretieren. Er schätzt die sexuelle Erfahrung der älteren Frau. Er sieht ihn ihr den puren, leidenschaftlichen Sex, no strings attached. Multiple Orgasmen, no games. Erfahrenere Männer, genannt Senior Potential Lover, die SPL, schauen uns tief in die Augen, wohlwissend, dass dort irgendwo die Seele zu erahnen ist. Der Junior Potential Lover, der JPL, benützt stattdessen seine Hände wie ein Fieberthermometer, um sich einen Befund über unseren körperlichen Zustand zu verschaffen. Tssssssssssssss! Sizzling hot! Baby, let me light your fire. Der SPL umgarnt uns gekonnt, weil er aus Erfahrung gelernt hat, dass unser grösstes Sexualorgan das Gehirn ist. Er weiss, dass wir hören wollen, was ihm an uns gefällt. Er spart nicht mit Komplimenten und sieht in jeder Frau eine Göttin und behandelt sie wie eine Königin, auch wenn er sich bewusst ist, dass die Musik nur für eine Nacht spielen könnte. Der SPL hat gute Chancen, wenn er echtes Interesse an Frauen hat und nicht aufhört Fragen zu stellen. Etwaige körperliche Defizite kompensiert er geschickt mit Lobeshymnen und viel Charme. Der SPL weiss, dass unsere Brustwarzen keine Radiosender sind und er braucht keinen Kompass um die Klitoris zu finden. Er schickt Blumen und erinnert sich an unsere Augenfarbe. Der JPL hingegen besticht durch seinen schelmischen Blick und flotte Sprüche und man sieht ihm an, dass er nur gekommen ist um zu spielen. Allein die Aussicht auf einen heissen Körper genügt ihm, um innert Sekunden lichterloh zu entflammen und ihm nicht enden wollende Erektionen und ein seliges Dauergrinsen zu bescheren. Seine Auswahlkriterien sind wesentlich einfältiger als die des SPLs. Der JPL lebt mit grösster Wahrscheinlichkeit in irgendeiner Form von Wohngemeinschaft. Mit etwas Glück hängt der Pirelli-Kalender ausser Sichtweite des Bettes. Er hat es gerne easy und unkompliziert und stolpert genau damit über seine eigenen Füsse. Er wähnt sich zu früh am Ziel, weil er noch nicht gelernt hat, dass die auserwählte FmPP – obwohl sie emanzipiert und im erhofften Fall auch sexuell freizügig ist – ein Minimum an Interesse an ihrer Person braucht (abgesehen von dem an ihrem Geschlechtsteil), damit sie sich auf ihn einlassen und im Idealfall später fallen lassen kann. Dieses ambivalente Verhalten der FmPP verwirrt den anspruchslosen JPL und man kann ihm deshalb nicht mal einen Vorwurf machen. Er ist eben noch jung. Ausserdem strotzt er vor Potenz und er hat volles Haar. Oft hat er einen einladenden Brustkorb oder einen Bizeps mit demselben Umfang wie unser Oberschenkel. Sein Lebensmotto lautet nicht selten: Me, myself and I. Seine Sportarten sind Surfen, Snowboarden, Fussball und Eishockey. Meist alle zusammen.

Mögliche Win-Win-Sitationen: Der JPL tut sich am besten mit der PF oder er mausert sich zum Frauenversteher, FV, um mit der FmPP anbändeln zu können. Des SPLs bester Match ist die FmPP, es sei denn, er verfügt über genügend finanzielle Mittel um sich eine Young Mistress, YM, zu halten. Die besten Karten hat aber immer noch die FmPP, denn sie wirkt auf beide – den JPL und den SPL – anziehend und sie ist sich dieser Tatsache bewusst. She’s got the look, mehrheitlich jedenfalls.

#MILF
#YoungSexgod
#GotTheSwagBabe
#MatureAndUninhibited
#Cougartown
#Hotmama
#Toyboy
#YOLO
#ONS

Wer noch nicht weiss, was einen echten Frauenversteher EFV © auszeichnet, kann dies bei Sofasophia nachlesen: Von klitzekleinen Unterschieden.

6 Gedanken zu “Das Cougar-Phänomen

  1. Lieber Philip
    Der beste Tipp ist, sei einfach du selbst! Wenn du dich in deiner Haut (Männerrolle) wohlfühlst, kommst du auch bei den „älteren“ gut an! Hier ist dann schon der 1. Stolperstein! „Ältere“? Hallo! So möchte keine Frau anfangs/Mitte Vierzig angesprochen werden! Ts ts ts. So, jetzt darfst du uns Ladys noch dein Alter verraten und natürlich deine Erfahrungen mit den Cougarladys…..
    Dann können wir dir sicher weiterhelfen. Viel Spass und Erfolg

  2. Ich würde es auch gern mal mit einer älteren machen. Aber ich habe keine Ahnung wie genau ich das machen soll und ich möchte diese auch nicht einfach vor den Kopf stoßen 🙂 Jemand ne Idee von euch?

  3. Kompliment, sehr amüsant geschrieben. Und wie wahr, denn ich war live dabei 😉. JPL sind die tollsten Hechte, aber die wahren Gewinner sind ganz klar die SPL und natürlich wir FmPP weil wir wissen, wir können sie alle haben 😜

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