Bitte lächeln

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben. Zum Beispiel meinen Unmut darüber äussern, dass ich anfangs Oktober schon gezwungen bin mir Weihnachtsdekoration anzuschauen und zwar das ganze Programm, bis hin zur Christbaumkugel. Oder über die Jahresendpanik, die mich um diese Zeit regelmässig befällt. Aber dann ist mir dieser Tag passiert. Er kam ganz unschuldig daher. Ein bisschen Arbeit, ein bisschen frei. Mehr Sonne als erwartet um diese Jahreszeit und wenn ich es mir recht überlege, muss die Herbstsonne dafür verantwortlich sein, dass ich heute schon den ganzen Tag über mit den schönsten Lächeln beschenkt werde, die ich mir eigentlich gar nicht erklären kann. Sie kamen kunterbunt gemischt daher von Frauen, Männern, Kindern und ich könnte schwören, dass mich sogar ein Hund angelächelt hat heute.

Ich trug keinen Hut und keine Mütze heute. Dann geschieht es manchmal, dass mir unbekannte Menschen wohlgesinnt sind und mich anlächeln. Ich glaube, Menschen haben gerne Kopfbedeckungen. Gut, vielleicht mögen nicht alle Helme oder stossen sich an Burkas. Und das Gesetz der Resonanz ist den meisten von uns auch bekannt. Gleiches zieht Gleiches an. Die gesetzmässige Analogie zwischen Innen- und Aussenwelt. Diese Analogie will es, dass wir das zurückbekommen, was wir aussenden. Die Macht unserer bewussten oder unbewussten Gedanken. Für manche dieser Gedanken bräuchten wir einen Waffenschein. Stehe ich morgens übel gelaunt und verschlafen im Tram, kommt es öfter vor, dass mir einer auf den Fuss steht oder mich wüst anrempelt und wenn ich in die anderen Gesichter schaue, möchte ich lieber nicht wissen, was in deren Köpfen alles so vor sich geht. Die Abwärtsspirale ist vorprogrammiert, wenn man nicht sofort einen gedanklichen Kurswechsel macht. Aber hey, heute ist das Gegenteil der Fall! Ich bin guter Dinge. Aber nicht weil ich schon frühmorgens mit einer guten Laune erwacht bin, sondern weil ich den ganzen Tag über, ich schwörs, unzählige Male angelächelt und regelrecht angestrahlt worden bin. Im Coop von der Kassiererin begleitet von einem „Sali“, beim Friseur mit einer Umarmung und einem Kommentar zu meiner unglaublichen Haarfarbe, Dankeschön und im Zara war die Verkäuferin so freundlich, ich dachte, sie vergisst meinen Schal zu scannen und schenkt ihn mir. Was ein Lächeln ausmachen kann! Es verändert die Welt für einen winzigen Moment. Es ist unglaublich ansteckend. Von jemanden unverhofft angelächelt zu werden, ist eigentlich das schönste Kompliment, das man bekommen kann. Ein echtes, ungekünsteltes Lächeln, bei dem die Augen mitlächeln und strahlen, erwärmt das Herz. Ich bin jetzt ein bisschen süchtig danach und versuche es öfters zu verbreiten und ebenso grosszügig zu verteilen. Bitte lächelt mehr und ich verspreche, es wird etwas Gutes passieren. Lächelt mich an und ich lächle zurück. Auch mit meinen Nieren und meinen Zehen. Mit allem was ich habe.

 

🙂 🙂 🙂

5 Gedanken zu “Bitte lächeln

  1. So witzig, ich habe eben gebloggt und das Lächeln und seinen Nährwert erwähnt. Und nun lese ich das hier! Klasse Text, macht Spass beim Lesen und nun strahlt mein ganzes Ich samt Zehennägeln und Ohrläppchen. Ob es bis zu dir strahlen kann?

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