Ask Ms. Knigge

Wer unhöflich ist, macht sich unbeliebt. Das wusste bereits der deutsche Schriftsteller Adolf Freiherr von Knigge im 17. Jahrhundert. Bekannt wurde er durch seine Aufklärungsschrift „Über den Umgang mit Menschen“ (1788). Knigge beabsichtigte mit seiner Sammlung von Umgangsformen ein besseres Taktgefühl und mehr Höflichkeit im Umgang mit Menschen. Denkt man heute an „Knigge“, verbindet man damit leider allzu oft verstaubte Anstands- und Benimmregeln, was sehr schade ist, weil gutes Benehmen nie aus der Mode kommt. Eine gute Sozialkompetenz, die Social Skills, sind heute wichtiger denn je, vor allem im Berufsleben.

„Unhöflichkeit aus Unwissen oder Unsicherheit“.

Wir denken also fortan an den modernen Knigge und da ich praktischerweise die „Lizenz zum Knigge“ habe, ein paar Knigge-Tipps für den Alltag, querbeet:

Unglücklicher Briefempfänger

Bei der Adresse gehört zwingend eine Anrede her, egal wie gut man den Briefempfänger kennt. Das Weglassen der Anrede ist leider ein weit verbreitetes Phänomen und passiert eher aus Unwissen als aus Respektlosigkeit, gilt aber als sehr unhöflich. Also bitte immer Herr Filomena, Frau Filomena oder Familie Filomena auf’s Briefcouvert. Einzig bei Kindern kann man die Anrede weglassen. Bei Titeln werden alle aufgeführt. Frau Dr. Prof. Filomena. (Im Gespräch wird nur der höhere Titel erwähnt: „Guten Tag Frau Professor Filomena“.)

Prost!

Angestossen wird nur mit langstieligen Gläsern und ja, ausschliesslich mit Wein. Mit Cocktails, Prosecco, Champagner und so weiter, prostet man sich lediglich zu. Heutzutage sieht man es etwas lockerer mit dieser Regel. Wer daher zum Beispiel an Neujahr strikt auf das Anstossen mit seinen Freunden verzichtet, macht sich mit Sicherheit etwas unbeliebt. Die Schweizer lieben ausserdem das Anstossen. Zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit wird angestossen. Aber bitte das Glas immer am Stiel halten. Vermeidet Fingerabdrücke und eine Erwärmung des Getränks. Stielhalter sind stilvoller.

Grüezi, Guten Tag und aufstehen oder doch nicht?

Im Privaten: Ladies first! Zuerst werden immer die Damen begrüsst. Die ältere vor der jüngeren Dame, aber nur wenn ein Generationsunterschied deutlich zu erkennen ist. Sowohl Herren als auch Damen stehen zur Begrüssung auf. Für Damen ist es in privaten Situationen zwar erlaubt bei der Begrüssung sitzen zu bleiben, empfehlenswert ist es aber nicht. Besser man begegnet seinen Mitmenschen quasi auf gleicher Augenhöhe.

Im Beruf: Begrüssung nach Hierarchiestufen. Es begrüsst die ranghöhere Person die rangniedrigere. Der Kundenberater seine Kunden.

Darf ich vorstellen?

Vorgestellt wird der Herr der Dame. Die jüngere Person der älteren. Die rangniedrige Person der ranghöheren. Als Eselsbrücke: Die wichtigere Person hat das Recht als Erstes zu erfahren, wer das Gegenüber ist.

Die Mantelfrage

Wird zu Unrecht als alter Zopf abgetan, genauso wie das galante Aufhalten der Türe. In den Mantel hilft der Kundenbetreuer der Kundin, aber auch die Kundenbetreuerin dem männlichen Kunden. Der Herr der Dame. Beim Betreten des Restaurants hilft man zuerst seinem Gast aus dem Mantel und zieht ihn danach selbst aus. Bei Verlassen des Restaurants ist es genau umgekehrt. Zuerst den eignen Mantel anziehen und dann dem Gast mit dem Mantel behilflich sein.

Ask Ms. Knigge
Part I

****

Eure Freifrau von Filomena

4 Gedanken zu “Ask Ms. Knigge

  1. Grüezi Frau Professorin Filomena (bin dazu aufgestanden 😉 )! Sorry für die Karte ohne Anrede – Unwissenheit bewahrt nicht vor Strafe 😉 somit prosten wir uns bei unserem nächsten Date als meine Strafe mit einem Glas Prosecco auf meine (nicht Anrede) und Dein wie immer lehrreichen Blog an!
    Ich will mehr!

    1. Deal! Wir bestrafen uns gegenseitig mit einem Glas Prosecco beim nächsten Treffen 😉 Danke nochmals für deine Karte. Freue mich immer darüber; in Zeiten fast ausnahmsloser elektronischer Kommunikation umso wertvoller. Deine Filomena.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.